Ignorieren der Abwesenheit von Informationen

« Back to Glossary Index

Was versteht man unter „Ignorieren der Abwesenheit von Informationen“?

Definition:

„Das Vernachlässigen der Auswirkung nicht vorhandener Informationen auf analytische Schlüsse.“*

(Klasse: Intuitive Trap)

Definition basierend auf:  Pherson, Randolph / Heuer, Richards: Structured Analytic Techniques for Intelligence Analysis, 3rd Edition, CQ Press, California: 2020, S. 25.

Erklärung und weitere Ausführungen:

Dass der Analyst mit unvollständigen Informationen arbeiten muss, ist der Normalfall. Jedoch zeigt sich, dass diese Abwesenheit nicht dazu führt, dass der Grad der Unsicherheit steigt, je mehr relevante Informationen fehlen. Der Idealfall wäre, dass der Grad der Unsicherheit mit einbezieht, welche und wie viele relevante Informationen fehlen. Dazu muss der Analyst bei den zu analysierenden Variablen deutlich herausarbeiten, welche Informationen das sind. Er sollte außerdem prüfen, ob die beobachtete Abwesenheit von Informationen normal ist oder selbst ein Indikator für ungewöhnliche Aktivitäten oder Inaktivität.[1] Hier gilt: „Absence of Evidence is not Evidence of Absence.“

Dr. Daniel Kahnemann stellte passend zu dem hier beschriebenen Phänomen die sogenannte WYSIATI-Regel auf: What you see is all there is. Kahnemann zu Folge zielt der Normalmodus des Denkens darauf ab, Komplexität zu reduzieren und nicht diese zu erhöhen. Deshalb berechnet unser Gehirn im Normalfall auch nicht, welche Informationen fehlen könnten, sondern arbeitet ausschließlich mit dem, was gerade verfügbar ist.[2]

[1] Vgl. Heuer, Jr., Richards J.: Psychology of Intelligence Analysis, Center for the Study of Intelligence, 1999 ., S. 119 f. | Siehe hierzu auch die entsprechende Buchrezension unter Produkte.

[2] Vgl. Kahneman, Daniel: Schnelles Denken, Langsames Denken, Penguin Verlag, 13. Auflage, München: 2012, S. 112 ff.  |  Zu den zwei Arten des Denkens und den daraus resultierenden Fehlern siehe auch den entsprechenden Beitrag auf https://strukturierte-analyse.de/wie-wir-denken-system-1-und-system-2/

« Back to Glossary Index