Verfügbarkeitsheuristik

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Was ist die Verfügbarkeitsheuristik?

Definition: „Bei der Verfügbarkeitsheuristik wird die Einschätzung der Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses oder einer Kategorie unbewusst davon abhängig gemacht, wie leicht es fällt, entsprechende Ergebnisse oder Kategorien aus dem Gedächtnis abzurufen und wie viele Ergebnisse oder Kategorien abgerufen werden können.“[1]

Erklärung:

Die Verfügbarkeitsheuristik kommt zum Tragen, wenn Personen die Wahrscheinlichkeit oder die Häufigkeit von Geschehnissen bewerten sollen. Bei der Bewertung greift der Mensch unbewusst auf zwei Strategien zurück. Er prüft, wie leicht es ihm fällt, ähnliche Geschehnisse zu erinnern und wie viele ähnliche Geschehnisse ihm einfallen; also Abrufgeschwindigkeit und Fallzahl. Ist es also möglich mit kognitiver Leichtigkeit viele ähnliche Geschehnisse zu erinnern, wird die Wahrscheinlichkeit oder die Häufigkeit entsprechender Geschehnisse hoch eingeschätzt. Allerdings funktioniert diese mentale Faustregel nicht immer. Die Abrufgeschwindigkeit und die Anzahl an abzurufenden vergleichbaren Vorfällen können von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst werden, die selbst nichts mit der korrekten Wahrscheinlichkeit oder Häufigkeit zu tun haben. Beispielsweise, ob entsprechende Vorfälle in jüngerer Vergangenheit stattfanden, ob der Analyst vielleicht selbst involviert war und ob dem Analysten lebhafte Eindrücke (siehe Vividness-Effekt) verfügbar sind.  Da Analysten häufig mit der Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten befasst sind, sollten Sie sich mit dieser Heuristik auseinandersetzen und erkennen, wenn sie Gefahr laufen, Wahrscheinlichkeiten auf dessen Grundlage zu bewerten.[2]

Beispiel

„In einer berühmten Studie wurden Eheleute gefragt: ‚Wie groß war Ihr persönlicher Beitrag beim Aufräumen Ihrer gemeinsamen Wohnung in Prozent?‘ […] Wie erwartet, addierten sich die Beiträge auf über 100%. Die Erklärung ist ein einfacher Verfügbarkeitsfehler: Beide Eheleute erinnern sich an ihre eigenen Bemühungen und Beiträge sehr viel deutlicher als an die ihres jeweiligen Partners, und dieser Verfügbarkeitsunterschied führt zu einem Unterschied in der beurteilten Häufigkeit.“[3]

[1] Definition in Anlehnung an: Glossary of Cognitive Biases and Inappropriately-Used Heuristics, © 2017 Globalytica, LLC.

[2] Vgl. Heuer, Jr., Richards J.: Psychology of Intelligence Analysis, Center for the Study of Intelligence, 1999, S. 147 ff. Das Buch kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

[3] Kahneman, Daniel: Schnelles Denken, Langsames Denken, Penguin Verlag, 13. Auflage, München: 2012, S. 166.

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Last Modified on Mai 18, 2020
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